Ingenieurdenken trifft Gesundheitsstrategie
Shownotes
Mit „Ingenieurdenken trifft Gesundheitsstrategie: Warum gesundes Arbeiten Teil der Leistungsfähigkeit ist“ starten wir in die dritte Staffel unseres Podcasts „Gründe. Wachse. Lebe. im Landkreis Dingolfing-Landau“.
Im Ingenieurbüro Apfelböck gehören Kosten- und Termindruck zum Arbeitsalltag. Wie lässt sich unter diesen Bedingungen ein gesundes Arbeitsumfeld gestalten? Markus Apfelböck und Martin Bauer berichten von ihrem Weg: von ersten Einzelaktionen über die Teilnahme an der Workshopreihe „Gesunde Unternehmen“ des Landkreises bis zu einem langfristig angelegten betrieblichen Gesundheitsmanagement.
Dr. Martin Simmel ergänzt die psychologische Perspektive und erklärt, warum gesunde Arbeitsbedingungen eine strategische Führungsaufgabe sind – und weshalb Vertrauen, Beteiligung und ein offener Austausch dabei entscheidend sind.
Darüber sprechen wir:
- Vom Einzelangebot zur Strategie: Wie Gesundheitsmanagement Schritt für Schritt im Unternehmen verankert werden kann.
- Mitarbeitende beteiligen: Warum Zuhören und Mitgestalten mehr bewirken als verordnete Maßnahmen.
- Psychische Belastungen erkennen: Was eine Bestandsaufnahme sichtbar macht und wie daraus Veränderungen entstehen.
- Gesundheit und Führung: Welche Rolle Vertrauen, Kommunikation und vorgelebte Werte spielen.
- Attraktiv als Arbeitgeber: Wie gesunde Arbeitsbedingungen zur Mitarbeiterbindung beitragen können.
- Homeoffice und Präsenz: Warum passende Lösungen von Menschen, Aufgaben und betrieblichen Bedingungen abhängen.
- Arbeitswelt im Wandel: Wie Selbstfürsorge und bewusste Prioritäten helfen können, mit steigenden Anforderungen umzugehen.
Aus der Folge mitnehmen: Gesundes Arbeiten entsteht durch kontinuierliches Engagement. Wer Belastungen ernst nimmt, Mitarbeitende einbezieht und Arbeitsbedingungen gemeinsam weiterentwickelt, schafft eine Grundlage für Wohlbefinden, Zusammenarbeit und Leistungsfähigkeit.
Transkript anzeigen
Apfelböck
Daniel Fürg:
[0:00] Lieber Herr Apfelberg, lieber Herr Bauer, ich freue mich sehr, dass wir uns heute bei
Ihnen hier im Büro in Dingolfing treffen können, um über BGM zu sprechen, das betriebliche
Gesundheitsmanagement für alle, die die Abkürzung noch nie gehört haben und warum das
bei Ihnen im Betrieb gerade so wichtig ist. Aber erst mal herzlich willkommen. Ja, Sie
beschäftigen sich seit vielen Jahren schon mit dem Thema BGM. Das ist für ein
Unternehmen wie Iris vielleicht nicht unbedingt direkt selbstverständlich, dass man da so
einen großen Wert drauf legt. Deshalb vielleicht mal die Einstiegsfrage, warum ist Ihnen das
so wichtig und wie ging es damit los?
Apfelböck und Bauer:
[0:41] Ja, vielen Dank. Zuerst mal, dass wir heute interviewt werden. Es freut uns sehr, dass
Sie Interesse an unserem BGM, an unserer Firma haben. Warum kommen wir dazu? Der
Hintergrund ist, glaube ich, vielfältig und nicht auf einen Punkt zu definieren. Wir haben
einfach festgestellt, dass neben Arbeit und hohen Leistungen auch eine gewisse
Entspannung im Unternehmen notwendig ist. Hatten da ein paar Ideen, waren aber keine
Profis, weil wir einfach Ingenieure sind. Und dazu haben wir uns dann vorwiegend über
Martin Bauer, das ist eigentlich sein Verdienst, haben wir uns dann mit dem Thema
beschäftigt und Schritt für Schritt, auch in Verbindung mit dem Landkreis und den
Programmen sowie von der Regierung, unseren Zugang zum BGM gefunden. Das kam aber
nicht abrupt, sondern das war wirklich ein Weg, wie man eigentlich in einem Unternehmen
vieles implementiert, was halt Neues. Und ja, ich glaube, es ist jetzt schon 15 Jahre aktiv
und interessanterweise finden wir jedes Jahr wieder neue Themen, die wir aufgreifen und
angehen wollen.
Daniel Fürg:
[1:46] Ich mache dann gleich mal die Hinweise des Hauses.
Apfelböck und Bauer:
[1:48] Das ist ja so. Das reicht schon.
Daniel Fürg:
[1:53] Genau. Ja, Herr Bauer, wo fängt man denn da an? Also wenn man jetzt sagt, man
möchte sowas im Unternehmen umsetzen, man möchte da aktiver werden, man möchte da
mehr machen, wo lege ich denn los?
Apfelböck und Bauer:
[2:09] Genau, das war die Schwierigkeit auch am Anfang. Der Start war zugegebenermaßen
etwas holprig mit Einzelmaßnahmen. Es waren so immer wieder Angebote in der
Umgebung, wie so gemeinsame Läufe in Landau, in Straubing. Wir haben da mitgemacht,
aber das war natürlich noch kein BGM, wie man so schön sagt. Das war mal ein paar Jahre
so. Der richtige Start war dann eigentlich 2017 mit einer gesunden Unternehmenreihe des
Landkreises Dingolfing-Landau. Da haben wir dann teilgenommen. Das waren mehrere
Workshops über ein, glaube ich, Dreivierteljahr. Da ist uns dann das Rüstzeug mitgegeben
worden und dann haben wir es irgendwo auch kapiert, was wichtig ist. Und so war der Start
dann in viele Maßnahmen, die sie bis heute im Unternehmen eigentlich etabliert haben.
Daniel Fürg:
[2:55] Wie reagieren da erstmal die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen darauf? Also ist das
direkt ein positives Feedback oder denken Sie sich, die sich erstmal, oh Mist, jetzt kommen
mehr Regeln, jetzt kommen vielleicht noch mehr Sachen, um die ich mich kümmern muss,
Maßnahmen, die mich zusätzlich vielleicht sogar erstmal belasten, weil vielleicht auch das
Verständnis, für die Sinnhaftigkeit oder den Mehrwert, der daraus ja auch entsteht, gar nicht
so da ist?
Apfelböck und Bauer:
[3:20] Ja, wie so oft wahrscheinlich war die Resonanz unterschiedlich. Die einen sagen, was
machen sie jetzt schon wieder. Die anderen freuen sich natürlich, dass etwas geboten wird
im Unternehmen, was vielleicht über das normale, Arbeiten hinausgeht. Das war mir immer
schon wichtig. Für mich ist wichtig, man muss Spaß haben an der Arbeit. Ich bin ja sehr
ehrenamtlich engagiert. Und alles, was man an Mehrwert bieten kann, glaube ich, ist zum
Wohle des Mitarbeiters. Aber die alle dann mitzunehmen, das ist in der Tat schwierig. Wir
haben gesehen, die ersten Maßnahmen waren einfach sportlicher Natur mit diesen Läufen.
Da nimmt man natürlich mehr die jungen Mitarbeiter mit, die sowieso schon aktiv sind. Ist
auch wichtig, man darf keinen zwingen, glaube ich, dass er da mitmacht und sich vielleicht
dann noch verletzt. Und so haben wir das einfach Zug um Zug ausgeweitet. Wichtig war am
Anfang eine Umfrage, wo wir gesagt haben, okay, was interessiert euch überhaupt? Welche
Richtungen mehr in die Ergonomie oder mehr das Körperliche oder mehr das Psychische.
Und so haben wir schon einmal ein breites Bild bekommen, wo die Mitarbeiter einfach
Interesse haben und haben das dann Zug um Zug so aufgebaut. Ich könnte da noch was
ergänzen dazu. Es ist ein bisschen oft in einem Unternehmen, dass man.
Apfelböck und Bauer:
[4:38] Wie der Herr Bauer das gesagt hat, die Mitarbeiter gewinnen muss und das gewinnt
man nicht nur durch Text, sondern durch Taten. Und es gibt ja so viele Dinge, ich nenne es
jetzt ein bisschen Lifestyle, wie Obstkorb und Getränke und so weiter und so fort. Das ist für
mich nicht ganz Gesundheitsmanagement, weil BGM, weil das ist eigentlich was, was
heutzutage ein bisschen dazugehört. BGM geht tiefer und dazu bedarf es schon einer
gewissen Vorbereitung durch die Firma selbst und durch die Mitarbeiter. Und dann die
Mitarbeiter am besten mitnehmen und am Schluss dann mitreißen. Also der Funke muss
halt überspringen, dass irgendwann von den Mitarbeitern selber das Engagement kommt,
weil wenn man es nur delegiert, dann, delegiert man es wahrscheinlich auch oft an den
Mitarbeitern vorbei und daher einfach dieser Fragebogen und das langsame Herantasten
über unterschiedlichste Tools und.
Apfelböck und Bauer:
[5:34] Man ist dann wie so oft, wenn man in eine Firma was Neues einführt, am Anfang
vielleicht ein bisschen enttäuscht, weil man sagt, das geht so langsam oder man hat selber
andere Vorstellungen, aber der Gewinn ist die Zeit. Je länger, dass man sich damit
beschäftigt und je länger, dass man an so einem Thema arbeitet, desto mehr wird es wirklich
Bestandteil von einem Unternehmen. Und das kann man nicht so runterbrechen auf eine
bestimmte Tätigkeit, das war der Durchbruch, sondern ich glaube, die Kontinuität, auch
vielleicht manchmal ein bisschen das Nerven mit so einem Thema. Aber das führt halt dazu,
dass tatsächlich ein breites Verständnis entsteht, weil es ist wie immer Kommunikation und
Verständnis führt dazu, dass man dann die Mitarbeiter und den Mehrwert aus dem BGM
auch wirklich im Unternehmen unterbringen kann.
Daniel Fürg:
[6:20] Jetzt haben Sie gerade schon den Mehrwert angesprochen. Wie würden Sie den denn
heute im Rückblick beschreiben?
Apfelböck und Bauer:
[6:26] Sehr unterschiedlich. Also der Mehrwert der Glieder ziehen vielen unterschiedlichen
Dingen auf. Ein Mehrwert ist, dass man durch die Veranstaltungen, die man über das BGM
macht, natürlich auch eine Bindung unter den Mitarbeitern schafft. Also das ist jetzt keine
Freizeit, aber die Mitarbeiter haben die Möglichkeit, dass sie außerhalb dem Arbeitsthema
austauschen. Und das ist interessant, was da eigentlich alles passiert, stellen manche fest,
Mensch, du fährst ja auch gern Fahrrad. Also es gibt tausend Schnittstellen, ich gehe ins
Yoga, ach, musst du überhaupt nicht, wo gehst du hin? Es kommt auf einmal ein Gespräch
in Gang, der, die Mitarbeiter sozusagen einerseits positiv darstellt, die schon was machen
und andererseits auch die, die vielleicht da irgendwo noch so ein bisschen in den
Startlöchern sind, die da motiviert werden. Und dadurch entsteht einfach eine
Gruppendynamik innerhalb des Büros und auch teilweise außerhalb des Büros.
Daniel Fürg:
[7:23] Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht der ein oder andere Mitarbeiter, die ein oder
andere Mitarbeiterin vielleicht sagt, ach, jetzt haben wir da so lustige Wellnessmaßnahmen,
damit es uns irgendwie besser geht und wir uns gut fühlen. Wie überzeugt man denn die
Leute davon, dass es am Ende ja nicht um Wellness geht, sondern darum geht, dass wir
wirklich auch uns gesünder im Alltag verhalten und uns auch irgendwie in der Arbeit, im
Büro schon darauf achten, dass wir uns am Ende nicht kaputt arbeiten, sagen wir jetzt mal
so ganz platt.
Apfelböck und Bauer:
[7:57] Ich glaube, das Erste ist mal, der Begriff Wellness wird ja heutzutage für vieles
verwendet. Und wenn man sich das mal ein bisschen so überlegt, was ist das eigentlich? Ist
es notwendig, dass man in der Arbeit Wellness hat? Ich glaube schon, aber man muss es
ein bisschen differenzierter sehen. Es geht doch in unserer Welt darum, wir sind in einer
sehr schnelllebigen Welt. Wir müssen sehr schnell Dinge verändern, verbessern, uns auch
verbessern und was Neues lernen. Und da einfach ein bestimmter Druck da ist, haben wir
festgestellt, dass es unwahrscheinlich essentiell ist, dass man auch dazwischen ein
bisschen frei hat. Und ob wir jetzt in diesem Firmenfrei, also alle Sport machen, ob wir uns
damit beschäftigen, was wir essen, ob wir uns einfach austauschen, das ist sehr vielfältig
und jeder Mitarbeiter hat da ein bisschen so sein eigenes Steckenpferd.
Apfelböck und Bauer:
[8:51] Wo er sozusagen sein Optimum drin sieht. Also das Vorgeben, wir machen das oder
wir machen das, ist ein Schritt, aber Durchbruch schafft man, wenn man eine große
Bandbreite hat und die Mitarbeiter sich zuerst mal raussuchen, was sie glauben, dass es für
sie am besten ist. Also diktieren ist eher aus meiner Sicht ungünstig, sondern vorleben,
miteinander arbeiten, Dinge anbieten und dann schauen, was passiert. Und manches geht
besser, manches geht schlechter. Also so ein Patentrezept, dass ich sagen würde, das war
perfekt oder das war nichts, gibt es nicht, weil jeder ist einfach individuell. Und der eine
sucht den Ausgleich durch Sport, der andere sucht den Ausgleich durch eine gute
Unterhaltung oder einfach auch durch das, dass man mal zusammensitzt und miteinander
kocht, was wir zum Beispiel auch im Unternehmen machen.
Daniel Fürg:
[9:46] Einmal Mikrofon und Switch. Ja. Herr Bauer, Sie haben vorhin schon gesagt, dass
Ihnen auch wichtig ist, dass sich Arbeit nicht immer so sehr nach Arbeit anfühlt im negativen
Sinne, sondern dass man sich auch eben wohlfühlt im Büro. Welche Rolle spielt denn der
Aspekt auch bei der Suche nach neuen Mitarbeitenden? Also ich könnte mir vorstellen, dass
ja gerade auch diese BGM-Maßnahmen ein ganz gutes Argument sind, was man in so
einem Vorstellungsgespräch vielleicht auch mal noch fallen lassen kann als Mehrwert auch
für den oder diejenige, für den Bewerber oder die Bewerberin, die da zu Ihnen kommt.
Apfelböck und Bauer:
[10:24] Ja, das ist sehr wohl ein wichtiger Aspekt bei uns in der Firmenphilosophie. Wir
machen natürlich schon aktiv darauf aufmerksam, was wir alles so machen, auch mit
Beispielen.
Apfelböck und Bauer:
[10:36] Bei uns in der Planung ist es so, wir leben ständig mit einem Kosten- und
Termindruck, wenn wir in der Verantwortung für ein Projekt sind. Und da hat das Ganze
eigentlich erst im letzten Jahr eine entscheidende Erkenntnis bei uns hervorgerufen, dass
eigentlich die psychische Belastung bei uns noch deutlich mehr ist wie alles andere. Alles,
was wir vorher gemacht haben, war natürlich gut. Ein Ausgleich, ein Laufen, ein Radlfahren,
ein gemeinsames Kochen. Es weiß jeder, dass es gut ist, dass man einfach Sport treiben
muss. Aber wir haben im letzten Jahr eine Gefährdungsbeurteilung der psychischen
Belastungsfaktoren gemacht. Und da ist sehr wohl rausgekommen, dass eigentlich die
psychische Belastung oben steht. Und jetzt wissen wir eigentlich, wo wir wir ansetzen
müssen. Und jetzt werden wir die zukünftigen Programme verstärkt da in die Richtung
ausbauen. Und das sagen wir auch den Mitarbeitern schon im Vorstellungsgespräch. Weil
wenn jemand kommt und wechselwillig ist und uns erzählt, dass er einfach beim früheren
Arbeitgeber einfach so viel Druck.
Apfelböck und Bauer:
[11:38] Erfahren hat, dann werden wir das schon so anbringen, dass wir sagen, wir wirken
der bewusst entgegen mit Maßnahmen, Urlaubsabbau, Überstundenausgleich und so
weiter. Das haben wir in der Vergangenheit nicht immer geschafft, so ehrlich muss man auch
sein. Aber jetzt wissen wir, dass unseren Mitarbeitern das wichtig ist und uns natürlich
genauso, weil jeder hat schon mal mitgemacht, was passiert. Wenn ein Leistungsträger
ausfällt und wenn da ein anderer reinspringen muss. Das sind einfach Themen, die sind für
uns essentiell und ein ganz zentrales Thema des BGM.
Daniel Fürg:
[12:12] Wenn Sie da jetzt so auch nach der Zeit drauf schauen, gibt es denn konkrete
Veränderungen, wo Sie den Impact sozusagen dieser Maßnahmen sehen? Also zum
Beispiel bei den Zahlen zum Krankenstand oder auch bei der Mitarbeiterbindung und so
weiter?
Apfelböck und Bauer:
[12:29] Wir monitoren das Ganze natürlich, haben da ein ausgeklügeltes Kennzollensystem.
Der Krankenstand ist leicht rückläufig. Man muss natürlich immer sagen, es gibt auch
Krankenfälle, die haben jetzt nichts mit unseren Maßnahmen. Die passieren einfach. Das
sind längere Ausfälle. Da glaube ich, kann man machen, was man will. Deswegen muss
man diese Kennzahlen auch immer sehr genau beobachten. Aber grundsätzlich ist schon
ein leicht positiver Trend erkennbar. Das Thema psychische Belastung sind wir erst dran an
aufzubereiten. Da haben wir jetzt zum Beispiel im Oktober einen größeren Tag, wo wir die
Ergebnisse hier vorstellen, wo wir dann Maßnahmen ableiten. Aber ansonsten die positive
Resonanz unserer Mitarbeiter, das Gespräch untereinander, die Steigerung der
Kommunikation, das sind einfach Themen, wo wir sehen, es wird angenommen und man
darf sich nichts vormachen. Wenn mehr als die Hälfte das Positiv sehen und ein paar andere
mitnehmen, dann hat das Ganze schon sehr viel bewirkt. Alle werden wir nie erreichen, aber
das glaube ich, wenn man so an eine Maßnahme herangeht, dann glaube ich, kann man
auch noch scheitern.
Daniel Fürg:
[13:37] Einmal das Mikrofon, genau. Herr Apfelböck, wenn wir uns jetzt mal auch die
politische Situation in diesem Land anschauen, dann haben wir gerade jetzt vor wenigen
Wochen, die Gesundheitsreform mitbekommen und dieses Reformpaket, was kommen soll,
in dem unter anderem auch gefordert wird, dass Mitarbeitende quasi ab dem ersten
Arbeitstag schon eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung brauchen. Und ich habe mich dabei
gefragt, gerade wenn wir uns in Unternehmen befinden, die sich mit BGM stark
beschäftigen, ob nicht genau so eine Forderung, ich meine, man kann das ja natürlich dann
nochmal individuell anders im Unternehmen umsetzen, Aber ist nicht genau so eine
Forderung, eine, die eher dazu führt, dass ich meine Mitarbeitenden kranker mache, als sie
eigentlich sind, weil sie dann vielleicht sagen, ach nee, dann bleibe ich doch nicht heute zu
Hause, weil mir der Aufwand zum Arzt, am Ende anstrengender erscheint als vielleicht, ja,
oder vielleicht sogar dann an dem Tag aus dem Homeoffice herauszuarbeiten, statt mich
wirklich zu schonen?
Apfelböck und Bauer:
[14:46] Ich glaube, man muss das Ganze ein bisschen realistisch sehen. Ich habe die
Diskussion natürlich auch mitverfolgt. Und ich glaube, jeder, der selber richtig krank ist und
weiß, dass es jetzt eine Erkältung ist und dass der Arzt nicht zwingend notwendig ist, der
möchte sich nicht zum Arzt schleppen. Da geht es mir ganz genauso. Und aus dem Grund,
meine politische Diskussionen, die gibt es, die sind auch notwendig. Die haben sicher auch
ihren Grund. Aber das, was mich dann, wie ich den Bericht gehört habe, sehr ermutigt hat,
unsere Taktik weiterzufahren, es wurde sehr schnell gesagt, das Unternehmen darf anders
entscheiden. Und wir haben das bis jetzt gemacht und wir werden es auch in Zukunft
machen. Also Gesetz hin oder her, Gesetze sind wichtig, sie geben einen Rahmen, aber wir
als Unternehmen werden diese Regeln nicht eins zu eins umsetzen, weil es eben genauso
ist, dass wenn ich wirklich krank bin, Wenn ich mich eigentlich nicht noch zusätzlich in, ein
Wartezimmer reinsetzen möchte, da werde ich nicht gesünder. Und daher glaube ich, dass
es wichtig ist, dass die Individualität gebaut wird. Jede Firma muss das schon für sich selber
entscheiden.
Apfelböck und Bauer:
[15:51] Was man auch sieht eben aus unserem Monitoring raus, diese Diskussion wird ja ein
bisschen deswegen geführt, weil man meint, dass viele Leute vielleicht auch bei
Kleinigkeiten schon krank machen. Wir erkennen das bei uns im Unternehmen nicht. Und
das sind natürlich auch so Gründe, dass man sagt, wenn die Mehrheit sich sowieso an was
hält, warum sollte ich dann anfangen, die zu bestrafen? Und individuelle Ausreißer kann es
geben, aber da sehe ich eigentlich immer das persönliche Gespräch als das Zielführende,
weil das ist, wie es der Herr Bauer auch gesagt hat, also wir stellen einfach fest, die
Kommunikation ist ein unwahrscheinlicher Schlüssel für den gemeinschaftlichen Erfolg. Und
das glaube ich zu Ihrer Frage, ich würde jedem Firmen oder jeder Firma empfehlen,
betrachtet eure Zahlen, macht es eher so, dass die Mitarbeiter zur Ruhe kommen können
und nicht in der Krankheit nochmal einen Stress entwickeln und individuelle Ausreißer, wo
man meint, da wäre was Auffälliges, würde ich eher im Einzelgespräch einfach mal befragen
und schauen, was da die Hintergründe sind. Und es gibt oft Hintergründe, die man als
Firmenchef vielleicht nicht gleich im Kopf hat.
Daniel Fürg:
[17:02] Und ist die Wahrheit nicht auch die, dass in den allermeisten Fällen, wenn ich merke,
Menschen machen einfach blau, sage ich jetzt mal ganz platt, dass die entweder nicht
motiviert sind, ins Unternehmen zu kommen, ihre Arbeit zu machen, was, meistens dann an
der Unternehmenskultur und vielleicht auch der Arbeitsverteilung im Unternehmen liegt und
vielleicht auch der Führungskultur. Oder ich habe halt Variante 2 wirklich jemanden, der
einfach, der oder die einfach keine Lust auf Arbeit hat und dann vielleicht sowieso am
falschen Platz ist.
Apfelböck und Bauer:
[17:40] Also ich bin da bei Ihnen. Variante zwei, man merkt, wenn Menschen am Arbeitsplatz
frustriert werden. Vielleicht nicht in der ersten Woche, aber auf Dauer merkt man das, wenn
man einigermaßen seine Mitarbeiter kennt und sich mit ihnen beschäftigt. Und daher ist es
dann angebracht, das Einzelgespräch zu führen und zu entscheiden, was macht man
miteinander.
Apfelböck und Bauer:
[18:02] Das andere, die Variante 1 von Ihnen ist, wissen Sie, ich kann Ihnen ein Beispiel
geben. Es gab einen Fall, dass ein Mitarbeiter auffälligerweise nach Volksfesten oft erkrankt
war. Was habe ich da gemacht? Ich bin auf ihn zugegangen und habe gesagt, ich war auch
mal jung und ich will auch gerne feiern und das verbietet da keiner, das gehört auch dazu,
aber wenn du weißt, dass du aufs Volkfest gehst und wenn du weißt dass das eher bis
länger ist, nimm dir doch im Vorfeld gleich den nächsten Tag frei da hindert dich doch keiner
dran also man kann auch manchmal, proaktiv solche Dinge ansprechen und wissen Sie, das
Ergebnis war ganz lustig ja, ich wusste überhaupt nicht, dass ich das darf und.
Apfelböck und Bauer:
[18:45] Und dann war das Thema erledigt. Und so kann man halt auch manchen Dingen
einfach auch wohlwollend, progressiv, begegnen, ohne dass man Mitarbeiter dafür irgendwie
diskriminiert oder diskreditiert und selber in der Firma einen Schaden hat. Weil wann haben
wir denn einen Schaden in der Firma? Die Arbeit muss gemacht werden, ich verlasse mich
auf was. Dann habe ich immer die Unwahrscheinlichkeit, dass ich krank werde. Das ist zum
Akzeptieren. Aber das in Anführungszeichen blau machen, Das ist natürlich etwas, was nicht
zum Akzeptieren ist. Aber durch Gespräche, sie finden meiner Meinung nach 90 Prozent der
Lösung. Und die 10 Prozent, die wirklich nicht arbeiten wollen, die werden halt auch nicht
dauerhaft in Firmen verbleiben. Die müssen sich halt dann vielleicht auch mal etwas
anderes überlegen dazu. Wir können als Firma nicht alles lösen. Also das muss uns auch
bewusst sein. Wir haben bestimmte Möglichkeiten und die nutzen wir, glaube ich, auch ganz
positiv. Aber alles kann man auch durch ein super BGM leider nicht lösen.
Daniel Fürg:
[19:46] Wenn man das Thema BGM jetzt so fest in der Unternehmenskultur und Strategie
verankert, wie Sie das hier machen, dann kostet das ja auch ein bisschen Geld. Also man
muss ja auch investieren, Zeit, aber auch Geld. Wie rechnen Sie das denn gegen oder wie
sieht die Kalkulation dahinter aus, wo Sie dann auch sagen, bis dahin macht es Sinn Und
das ist dann vielleicht schon wieder ein Schritt drüber. Das ist schön sicher für alle, aber das
ist vielleicht dann doch zu teuer.
Apfelböck und Bauer:
[20:16] Das ist eine sehr gute Frage. Wenn wir das immer wüssten, dann würde man von
vornherein das Richtige machen, aber das wissen wir nicht. Und daher müssen wir das
ausprobieren. Und eben genau über solche Punkte, dass wir uns in unterschiedlichen
Bereichen ausprobiert haben, haben wir halt dann auch erkannt, das wird gut angenommen
oder das wird nur sehr singulär angenommen. Und dann haben wir uns halt überlegt, was
bringen wir in die Breite? Und schlussendlich glaube ich, dass man sich einerseits mal ein
bisschen für die Breite aufstellen muss, aber auch individuelle Angebote schaffen muss. Und
wo der Schwerpunkt liegt, wo die Mitarbeiter gerade hinzielen, man wird es nur rauskriegen,
wenn man miteinander beginnt, Dinge vorzubereiten und ich nenne es mal ein bisschen
überspitzt, sogar zu spielen. Also einfach mal miteinander zum Lernen, was hilft uns, was
hilft uns nicht. Einfach mal ein paar Beispiele. Wir haben irgendwann mal, das ist auch
schon ein paar Jahre her.
Apfelböck und Bauer:
[21:11] Hatten wir Berater da, was die Ergonomie angeht. Die sind durchgegangen, haben
sich die Bildschirme angeschaut, haben sich die Stühle angeschaut, die Tische angeschaut.
Und nach dieser Beratung haben wir die Mitarbeiter gefragt, passt euch was oder passt
euch was nicht oder was können wir verbessern? Und dieser Prozess läuft immer noch. Das
war aber sicher schon vor zwölf Jahren, dass wir das gestartet haben. Also Dinge ändern
sich nun mal. Ich kann jetzt ja nicht sagen, ich stehe jedem einen höhenverstellbaren Tisch,
zwei Bildschirme, ein Laptop, iPad. Das kann ich alles machen. Und die Hälfte wird nicht
genutzt. Daher Schritt für Schritt. Und es ist immer gut, was wir ja festgestellt haben, es gibt
Mitarbeiter, die interessieren sich für ein Thema besonders. Mit denen starten wir. Und dann
erkennt man daraus, wer macht nur mit. Und nicht jeder braucht das Gleiche. Und das ist
vielleicht auch für alle Firmenlenker ganz gut.
Apfelböck und Bauer:
[22:05] Groß breit über die Masse was ziehen und dann denken, dass alle glücklich sind, ist
glaube ich nicht der richtige Weg, sondern Dinge vorstellen und dann schauen, welche
Individualität wird gewünscht. Und das reduziert natürlich etwas die Kosten und das ist das
Wichtigste, erhöht den Effekt. Weil man kann rumrechnen, was man will. Ja, ein BGM kostet
Geld. Ich finde aber, das Geld ist fast zweitrangig. Die Zeit, die man reinsteckt, ist mehr. Das
ist ja auch wieder dann verlorene produktive Zeit, wenn man es mal überspitzt sagt. Ich
revidiere aber das sofort, was ich gerade gesagt habe, weil die Produktivität steigt. Und das
sehen wir ganz klar, angefangen bei den Krankheitszahlen. Wir sind bei den
Krankheitstagen, wir sind ungefähr bei der Hälfte des Bundesdurchschnitts. Was uns sehr
positiv stimmt. Und das geht dann über viele Dinge, Businessbike und dergleichen.
Apfelböck und Bauer:
[23:04] Jemand, der nicht gern Fahrrad fährt, der braucht jetzt auch kein Businessbike oder
der sollte vielleicht auch den Anspruch des Businessbikes dann nicht nehmen, nur weil es
die anderen haben, sondern für den gibt es einfach vielleicht dann wieder was Individuelles,
was mit dem Schreibtisch zusammenhängt, was mit einer speziellen Förderung
zusammenhängt. Also das BGM ist nicht so eindimensional, sondern das ist
unwahrscheinlich breit gestreut. Und den größten Durchbruch, der Herr Bauer hat es vorher
gerade angesprochen, haben wir wahrscheinlich in diesem Jahr gehabt mit unserem neuen
Ansatz, dass wir nicht nur die Physis, sondern auch die Psyche betrachten. Die Ergebnisse
aus diesen Coachings, aus diesen Gesprächen sind für uns eigentlich das Beste, was wir so
in den letzten Jahren tatsächlich direkt zum.
Apfelböck und Bauer:
[23:56] Ich kann es jetzt überspitzt Befindlichkeit nennen, der Mitarbeiter, aber die
Mitarbeiter waren so cool und so fair, die Befindlichkeiten sind überhaupt nicht aufgetaucht.
Sondern es wurden tatsächlich essentielle Dinge angesprochen, die den Einzelnen und
auch die Gruppe und das Team belasten. Und dieses Ergebnis, das ist so viel Geld mehr
wert, wie das, was das gekostet hat und auch die Zeit gekostet hat, weil jetzt haben wir ein
gemeinschaftliches Verständnis und deswegen präsentieren wir das auch den Mitarbeitern.
Das war in der Gruppenarbeit aufgeteilt und interessanterweise unabhängig der Gruppen
sind die Ergebnisse sehr ähnlich. Also einen besseren Fahrplan kann man nicht kriegen für
das, dass man wieder Änderungen im Unternehmen vornimmt und nicht von oben herab.
Apfelböck und Bauer:
[24:41] Sondern wir machen einen gemeinschaftlichen Tag und entwickeln aus den
Ergebnissen, die jeder sehen darf, entwickeln wieder neue Ansätze, wie wir genau diese
störenden innerbetrieblichen Probleme lösen können.
Daniel Fürg:
[24:57] Noch mal einmal kurz. Herr Bauer, wenn wir zum Abschluss noch mal in die Zukunft
schauen. Jetzt haben Sie ja schon viel Erfahrung gesammelt mit BGM und den
dazugehörigen Maßnahmen. Wie sieht denn für Sie eine ideale Weiterentwicklung in den
nächsten Jahren aus? Also haben Sie Pläne und Ideen, wo das Ganze noch hingehen
sollte, was man gerne noch umsetzen möchte oder vielleicht auch noch optimieren will?
Apfelböck und Bauer:
[25:26] Ja, wir haben jetzt intern wieder eine Steuerungsgruppe eingeführt, dass das ganze
Thema BGM nicht nur bei einer Person, so wie es jetzt lange bei mir war, in
Zusammenarbeit natürlich mit dem Geschäftsführer, einfach um mehr Mitarbeiter
mitzunehmen, um einfach neue Themen hier mit aufzunehmen.
Apfelböck und Bauer:
[25:42] Dann natürlich das Thema psychische Belastung, wie heute schon mehrmals
angesprochen. Das wird ein Thema sein, das uns die nächsten Jahre sicher begleiten wird,
weil einfach die Entwicklung mit zunehmender Digitalisierung nicht einfacher wird. Der
Projekt Stress wird auch weiterhin vorhanden sein, mit dem man umgehen muss und das
wird ein zentrales Thema sein. Und mit diesen Ergebnissen, die wir jetzt haben, werden wir
da sicher oder hoffentlich gute Maßnahmen ableiten, dass wir da in nächster Zukunft auch
wieder für neue Mitarbeiter, die zu uns dazukommen, für Auszubildende, für Dualstudenten,
alles was wir so, im Betrieb einfach an Mitarbeiter haben, dass wir für jeden einfach
Werkzeuge entwickeln, die genutzt werden können und das BGM, glaube ich, das
Schlimmste, was wir machen können, dass man irgendwann sagt, so, jetzt sind wir durch,
jetzt machen wir nichts mehr, Weil das wäre einfach der größte Fehler. Es ist ein Prozess,
der nie endet und da wo man dranbleiben muss, weil einfach sich die Herausforderungen
auch immer ändern. Zentrales Thema wäre jetzt psychische Belastung sein. Kann in fünf
Jahren vielleicht wieder anders sein, aber ich hoffe und wünsche mir, dass wir auch in fünf
Jahren noch interessante Themen haben, die wir miteinander angreifen werden.
Daniel Fürg:
[26:57] Dann können wir uns ja jetzt schon mal einen Termin in fünf Jahren eintragen, um
ein Update zu dem Thema zu machen. Ich danke Ihnen beiden, dass wir das Thema hier so
ein bisschen beleuchten konnten und Sie auch so offen darüber gesprochen haben.
Apfelböck und Bauer:
[27:09] Wir bedanken uns herzlich bei Ihnen. Ja, vielen Dank.
Daniel Fürg:
[27:15] Und wir können das ja nochmal kurz einbauen, ist ja gut. Genau, ich bade es dann
am Anfang ein. Herr Apfelberg, könnten Sie vielleicht uns mal kurz einen Überblick dazu
geben, was Sie hier eigentlich so genau machen, damit diejenigen, die das Unternehmen
vielleicht noch nicht kennen, ein bisschen einen etwas besseren Überblick haben, worum es
hier eigentlich geht?
Apfelböck und Bauer:
[27:38] Sehr gerne. Also wir sind ein klassisches Planungsbüro für Ingenieurbauwerke. Wir
werden manchmal gern mit Architektur verwechselt, aber ich sage immer, wir sind die
Ingenieure, wir kümmern uns nicht um das Aussehen des Gebäudes, sondern um die
Funktion des Gebäudes, vielleicht ganz kurz heruntergebrochen. Wir sind klassische
Dienstleister. Das bedeutet, Auftraggeber, Bauherren beauftragen uns mit
Planungsleistungen, für ihr Gebäude und wir sorgen dafür, dass das Gebäude über die
Planung zur Genehmigung bis zur Ausschreibung und Ausführung gebracht wird, bis am
Schluss dann der Schlüssel an den Bauherrn übergeben werden kann. Das ist unsere
klassische Aufgabe. Wir arbeiten sehr viel mit weiteren Planern zusammen, wir arbeiten
sehr viel mit Baufirmen zusammen und lenken und leiten diese Baufirmen. Das bedeutet,
man braucht natürlich ein hohes Verständnis für Ingenieurwesen, aber, und das merken
gerade unsere jungen Mitarbeiter, die von den Hochschulen kommen, es bedarf dann auch
unwahrscheinlich viel menschlichen Gespürs und Kommunikation, weil Sie können sich alle
vorstellen, Im Bau ist natürlich etwas, wo sehr große Geldsummen.
Apfelböck und Bauer:
[28:53] Bearbeitet werden und sehr große Geldsummen schaffen natürlich auch immer
wieder Stress und Ärger. Und das ist eigentlich so ein Punkt. Ich glaube, dass unsere
Ingenieurinnen und Ingenieure sehr gut und sattelfest in ihrem Beruf sind, aber das
Zwischenmenschliche, das uns immer wieder herausfordert, eben auch mit den
Alltagsproblemen Termindruck, Zeitdruck, Kostendruck, Da setzt eben genau unser System
an, um hier wieder Entspannung, der Mitarbeitern zu schaffen und das funktioniert
tatsächlich am allermeisten durch Kommunikation, weil die Mitarbeiter einfach manchmal
auch sich den Stress von der Seele reden müssen. So einfach ist das. Also wir
unterscheiden uns meiner Meinung nach nicht stark von anderen Dienstleistern, die eben
einen Dienst an einem Auftraggeber leisten und hier vollumfänglich in Personen mit Wissen
und mit Kommunikation versuchen, das beste Ergebnis herauszuarbeiten.
Simmel
Daniel Fürg:
[0:01] Lieber Herr, Dr. Simmel, ich freue mich, dass wir uns hier treffen können, um über
BGM zu sprechen, betriebliches Gesundheitsmanagement, was das eigentlich ist, wieso
Unternehmen sich damit beschäftigen sollten und welche Rolle am Ende auch die
Psychologie dabei spielt. Herzlich willkommen.
Martin Simmel:
[0:29] Ja, vielen Dank für die Einladung. Sehr gerne.
Daniel Fürg:
[0:32] Wenn wir vielleicht mal gerade mit so einer Begriffsklärung ganz initial anfangen. Wie
ist dann das Thema BGM überhaupt entstanden und was muss man sich darunter,
tatsächlich vorstellen?
Martin Simmel:
[0:46] Naja, es ist ausgehend von der unternehmerischen Verantwortung, dass die
Menschen mehr sind als ein Humankapital. Ganz einfach die Fragestellung, wie gelingt es
uns, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass die Menschen da gerne hingehen,
produktiv, leistungsfähig und gesund bleiben können. Wo und wie es genau historisch
entstanden ist, weiß ich gar nicht. Ich glaube, es ist eine unternehmerische Notwendigkeit,
die bei den erfolgreichen Unternehmen definitiv einfach mitgedacht wird. Es ist ein
strategisches Managementprinzip, wenn Sie so wollen, genauso wie Vertrieb oder
Kostencontrolling notwendig und essentiell ist, damit ein Unternehmen wirtschaftlich handeln
kann.
Daniel Fürg:
[1:33] Wann und wie kommen Unternehmen in dem Kontext denn dann auf Sie zu?
Martin Simmel:
[1:39] Es gibt verschiedene Beweggründe, die Unternehmen bewegen, sich mit diesem
Thema zu beschäftigen. Ich mache ein Beispiel, ein Logistiker, eine Spedition, die sagen, wir
haben 100 Lkw, können derzeit nur 80 besetzen, weil wir nicht ausreichend Fahrer
bekommen finden, die auch bereit sind, diese sehr, sehr anspruchsvolle Tätigkeit überhaupt
zu beginnen. Also wir müssen dafür sorgen, dass die, die da sind, diesen Job gut und lange
machen können. Und wir müssen gucken, wie wir attraktiv bleiben oder noch attraktiver
auftreten können, damit wir genau an der Stelle für unsere Mitarbeiter die richtigen Signale
setzen können. In jeder Branche gibt es diese Fragestellungen. Ob Sie jetzt eine große
Klinik nehmen, die sagen, was in aller Munde ist, Stress im Dreischichtsystem in der Pflege,
ist es überhaupt möglich, Vollzeit in einem großen Klinikum zu arbeiten, so diskutiert die
Pflege.
Martin Simmel:
[2:44] Um diese Belastungen überhaupt standzuhalten. Solche Dinge sind meist
ausschlaggebend. Oder ein gesetzlicher Auftrag, wie die Gefährdungsbeurteilung der
psychischen Belastungsfaktoren, seit nunmehr über zehn Jahren ergänzt, vom
Arbeitsschutzgesetz und jetzt haben Unternehmen eine Rahmenbedingung der sie gerecht
werden müssen und wo sie nicht einfach nur fürs Papier arbeiten wollen, sondern wo sie
sagen, wir wollen nützlich Konsequenzen daraus ab.
Daniel Fürg:
[3:14] Das heißt, im Umkehrschluss aber auch, je mehr sich die Rolle von Arbeit in unserem
Leben verändert, auch durch einfach kulturelle, gesellschaftliche Veränderungen, desto
wichtiger wird dieses Thema, um auch den Menschen zu zeigen, dass Arbeit nicht irgendwie
was Negatives ist, sondern auch tatsächlich Teil eines erfüllten Lebens sein kann.
Martin Simmel:
[3:37] Naja, ich wurde geprägt von verschiedenen Persönlichkeiten. Eins war ein
Geschäftsfreund meines Vaters, der war damals, ich war vielleicht acht, neun Jahre alt, der
war schon 70, aus meiner Perspektive uralt und der meinte nur, weißt du, mein Vater hat zu
mir immer gesagt, auch du wirst den Ernst des Lebens noch einmal kennenlernen und was
soll ich dir sagen, ich habe ihn bis heute nicht gefunden. Und ich weiß zufällig, dass der
einen knallharten Job hatte, Aber was mich geprägt hat, war so die Überzeugung, wieso soll
nach einem Schulleben, das mir sehr viel Spaß bereitet hat, ein Studium, das mir sehr viel
Spaß bereitet hat, dann plötzlich das Arbeitsleben ernst werden. Also die Fragestellung, wie
kann Arbeit ein gesundheitsfördernder, produktiver Faktor werden, die treibt mich an. Was
muss passieren, damit ich von sechs Tagen die Woche, die ich arbeite, die meisten Tage
gerne aufstehe und so wie heute Morgen hierher fahre und sage, ich freue mich, ist gut,
schöne Gelegenheit, um zu arbeiten, etwas Erfülltes zu tun.
Daniel Fürg:
[4:42] Jetzt hören uns vielleicht ein paar Leute zu und sagen, okay, ich habe jetzt irgendwie
verstanden, was BGM ist und warum es irgendwie Sinn macht, aber es ist immer noch so
ein sehr abstrakter Begriff. Wenn Unternehmen konkret anfangen, sich mit diesem Thema
auseinanderzusetzen, was sind denn Bestandteile eines funktionierenden BGMs und wo
fange ich an, dann auch mit zu überlegen, was macht individuell für das jeweilige
Unternehmen Sinn?
Martin Simmel:
[5:10] Ja, der erste Schritt ist eine kritische Auseinandersetzung mit der
Unternehmensführung. Also wie zum Beispiel jetzt hier im Ingenieurbüro Apfelberg die
kritische Auseinandersetzung mit der Geschäftsführung und der Fragestellung, was genau
habt ihr für Erwartungen, was wollt ihr denn erreichen, wieso wird betriebliches
Gesundheitsmanagement jetzt ein Thema und was gibt es überhaupt für Möglichkeiten. Als
nächstes empfehle ich in der Regel einen Impulsvortrag, auch mit den leitenden
Mitarbeitern, um sich weiter kritisch damit auseinanderzusetzen. Und dann haben wir immer
zwei Ebenen. Die erste Ebene ist individuell und das ist mir die wichtigste. Gesundheit hat
Bedeutung für mich. Und was kann ich aus dem Thema für mich persönlich mit nach Hause
nehmen? Also was erzählen die Zuhörenden zu Hause in ihrer Familie, bei ihren Nachbarn,
was sie heute im Vortrag über Gesundheit gehört haben? Und dann gibt es noch einen
zweiten Nutzen, das ist die betriebliche Ebene, weil wir halt ein Drittel unserer Lebenszeit im
Arbeitskontext verbringen, wie kann ich Gesundheit und, und.
Martin Simmel:
[6:18] Lebensqualität, Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden in meinem Arbeitskontext
bestmöglich mit aufgreifen und nutzen. Und was braucht unser Unternehmen? Was ist für
unsere Branche speziell wichtig, um dieses Thema tatsächlich vernünftig und fundiert
aufzubauen? Und da hat jede Branche ihre eigenen Fragestellungen. Also wäre ein dritter
Schritt, so wie es auch hier geschehen ist beim Ingenieurbüro Apfelberg, eine individuelle
Bestandsaufnahme. Wir fragen die Menschen, die es betrifft, die Mitarbeitenden, wo sind
denn für euch Hauptbelastungsthemen, Herausforderungen, wo sind Ressourcen, was
unterstützt euch bei der Bewältigung, sodass am Ende im Ergebnis, Ansatzpunkte
entstehen, um Belastungen zu reduzieren, aber auch Ideen, um Ressourcen zu stärken und
weiterzuentwickeln. So haben wir diesen zweidimensionalen Weg und wir beteiligen alle, die
sich gerne beteiligen wollen.
Daniel Fürg:
[7:16] Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele Mitarbeitenden, da ein bisschen schwer tun,
auch ehrlich zu sein und über, vielleicht individuell empfundene Schwächen, die ja eigentlich
vielleicht gar keine sind, aber man sich erstmal schwer damit tut, zuzugeben, dass man von
etwas belastet ist, dass irgendetwas schwierig ist, dass irgendwas vielleicht auch negative
Folgen für einen selbst hat. Wie bekommt man das denn hin, dass man da so eine Ebene
findet, wo sich ja auch jeder in der Lage fühlt, offen und ehrlich über sein eigenes Empfinden
zu sprechen?
Martin Simmel:
[7:51] Naja, es steht und fällt zuallererst mit einer glaubwürdigen und authentischen Haltung
der Führungskräfte der Geschäftsführung. Wenn die sagen, uns ist das Thema wichtig, wir
nehmen das ernst und wir bitten euch, euch zu beteiligen und das ist glaubwürdig. Also die
Glaubwürdigkeit entsteht ja relativ pragmatisch. Einer sagt etwas und er tut es dann, so
sehe ich, dass das, was er gesagt hat, auch so gemeint ist. So entsteht Glaubwürdigkeit,
aber auch Vertrauen. Und wenn die Mitarbeitenden das kennen von ihrer Geschäftsführung,
werden sie beim Thema Gesundheit vielleicht kritisch, vorsichtig, aber doch erstmal
wohlwollend mitmachen. Und dann steht und fällt es mit der Person, die dieses Thema
transportiert. In meinem Fall, ich habe ja auch in einem klinischen Setting gearbeitet und wir
haben zum Thema Prävention viel ausprobiert, auch in der Forschung. Und wir haben am
Anfang mit Risiken argumentiert, vor über 15 Jahren, haben den hier oben einen Zeigefinger
gezeigt und haben gesagt.
Martin Simmel:
[8:53] Diabetes, Volkstöter Nummer 1 und dann Herz-Kreislauf Nummer 2. Das ist alles
richtig, wissenschaftlich belegbar, aber es macht keinen Spaß. Da hört keiner zu. Die
Menschen wollen so nicht mit Gesundheit konfrontiert werden und sich schon gar nicht dazu
äußern, weil es möglicherweise sogar beschämend ist. Also ist die Frage, wie erreichen wir
die Menschen, sodass sie mit uns über diese Themen sprechen. Das sind
vertrauensbildende Maßnahmen. Und am Anfang sind sie zurückhaltend vorsichtig und
irgendwann beginnen sie und sagen, naja, ist vielleicht ganz gut, wenn ich es jetzt doch
sage, weil die Gelegenheit ist ja da. Und dieser moderierte Prozess, der beginnt mit den
Führungskräften der Geschäftsführung. Die Moderation der Workshops zum Beispiel sind
ohne die Führungskräfte, damit mit mir als Neutralmoderator gesprochen werden kann. Und
am Ende wird natürlich das Ergebnis wieder präsentiert und aufgegriffen von den
Führungskräften, weil an dieses Jahr mitunter auch adressiert. Also dieser Prozess ist
entscheidend, dass Menschen bereit sind, sich zu beteiligen. Da muss ein bisschen Geduld
haben.
Daniel Fürg:
[10:00] In den letzten Jahren hat sich ja für viele Menschen die Art zu arbeiten sehr
verändert. Wir sehen immer mehr Homeoffice, auch wenn es hier und da in manchen
Unternehmen jetzt wieder einen Weg zurück auch stärker gibt, aber trotzdem, es hat sich
viel verändert, es hat sich viel angepasst und es ist alles ein bisschen vielleicht flexibler
geworden. Aber vielleicht hat es ja auch negative Aspekte. Also wenn Sie diese ganze
Entwicklung und auch gerade das Thema Homeoffice im Kontext des BGM sehen, wo
schlägt da Ihr Herz? Haben wir da überwiegend die Vorteile oder gibt es auch Nachteile?
Martin Simmel:
[10:39] Als Corona begann und sehr relevant wurde für uns im Arbeitskontext, auch speziell
für uns und die Kommunikationsfähigkeit zu unseren Unternehmen, war am Anfang
Stillstand. Und dann entstand die Frage, wie können wir Kontakt pflegen mit den ganzen
Regularien und, der Zugang über mobile Möglichkeiten der Kommunikation wurde ja
dadurch forciert. Also wir haben tatsächlich in der Kommunikation, auch in der Didaktik,
echte Innovationen erlebt. Wir machen heute einen Podcast, alles das wurde befeuert in
dieser Zeit. Wir haben aber auch gelernt, dass nur der digitale Kontakt zu wenig ist. Also wir
haben jetzt im Nachgang die Beobachtung, dass viele Unternehmen uns auf jeden Fall
persönlich und in Präsenz wieder einladen wollen, um diese Themen zu transportieren.
Menschen kommunizieren mit Menschen in einem Raum besser, näher, emotionaler als im
digitalen Raum. Und ich habe damals gesagt, ich hoffe, dass es uns gelingt, dass wir diese
Krise nutzen, um die Frage zu diskutieren, welche Arbeitsbedingungen sind jetzt
angemessen und bestmöglich für das, was wir an Anforderungen haben. Und dann gibt es
Menschen, die arbeiten im internationalen Projektmanagement.
Martin Simmel:
[12:02] Über die Zeitzonen hinweg, die müssen Wege im digitalen Setting finden. Auch zur
Selbstfürsorge, weil es sehr anspruchsvoll ist, nur digital zu kommunizieren, über die
Zeitzonen hinweg. Das ist eine ganz andere Belastung. Und dann gibt es Menschen, die
sagen, wir brauchen auf jeden Fall die Präsenzzeit, weil wir da in der kürzeren Zeit schneller
Ergebnisse kriegen und nicht ewig im Kreis treten müssen. Und diese Frage zu stellen und
dann Ergebnisse zu erarbeiten, sagen, bei uns ist das Homeoffice möglich, auch vielleicht
als Komfortfaktor-Benefit, aber vor allen Dingen, um produktiv arbeiten zu fernen und bei
uns ist Präsenz nötig, wenn wir diese Themen diskutieren. Dann sind es echte New Work
Bedingungen im Sinne von New, weil es vorher so nicht umzusetzen war. Also ich bin da
sehr positiv eingestellt. Es gibt kein Best Practice oder keine beste Lösung, sondern immer
die am besten angepasste Lösung an die Bedingungen.
Daniel Fürg:
[13:05] Bei BGM denken vielleicht viele an Themen wie Ergonomie und Beweglichkeit,
Mobilität, aber das Thema Psychologie spielt ja auch eine sehr, sehr große und wichtige
Rolle. Wie ist das Thema denn in einem funktionierenden BGM vernünftig eingebettet?
Martin Simmel:
[13:25] Ich bin froh und dankbar, dass die mediale Präsenz, was das Thema mentale
Gesundheit angeht, das Ganze unterstützt und es besprechbarer macht. Es gab eine Zeit,
wir hatten 2004 die erste Themenwebseite im Institut aufgebaut zum Thema das Manager
Burnout Syndromen. So viele Klicks hatten wir später nicht mehr bei diesem Thema, aber
wir durften mit niemandem drüber sprechen. Wir haben versucht Kontakt aufzunehmen,
Vorträge anzubieten, es war absolut tabu, aber hochrelevant offensichtlich. Mittlerweile ist es
so, dass wir keine Vorträge über Burnout mehr halten, sondern über Regeneration,
Leistungsfähigkeit, Lebensqualität. Also das, was wir erreichen wollen, wenn Sie so wollen,
die Kehrseite der Medaille. Und wie gelingt es uns, mental gesund zu bleiben. Und wenn wir.
Martin Simmel:
[14:22] In der psychiatrischen Öffentlichkeitsdiskussion hören, wie viele psychische
Erkrankungen es gibt und die Diagnosen werden immer mehr und die Ausfallzeiten sind zu
lang, dann vergessen wir immer die Frage, was brauchen wir, um psychisch gesund zu sein.
Welche Bedingungen sind im Arbeitskontext relevant und wie wir uns mental gesund zu
bleiben.
Martin Simmel:
[14:41] Die mentale, psychische Gesundheit unterstützen. Und mit der Fragestellung finden
wir ganz viel Interesse. Also die Menschen sind mittlerweile so, dass sie sagen, ja, ich höre
mir das an. Also ist der Zugang über einen Informationsvortrag, über die
Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungsfaktoren, die sowieso gemacht werden
muss, weil Auftrag vom Gesetzgeber ein sehr guter. Und dann die Fragestellung, was
können wir in den Arbeitsbedingungen da unterstützen, Aber wo bist du auch
eigenverantwortlich? Und die ist für mich die wichtigste. Weil mentale Gesundheit hat so
zentrale Bedeutung, das gebe ich nicht an Experten ab. Dann möchte ich selber zum
Experten werden. Und diese aufgeklärte Haltung, diese proaktive aufgeklärte Haltung, die
schätze ich sehr. Dass Menschen, die Experten uns fordern und künstliche Intelligenz mit
dazuschalten und hören, was da noch so alles dazukommt, dann wieder Experten fordern,
wie können wir mentale Gesundheit für uns bestmöglich pflegen. Das finde ich eine extrem
positive Entwicklung. Und in die richtige Richtung. Also nicht, wie bewältigen wir psychische
Krankheit immer mehr, sondern wie stellen wir psychische Gesundheit her und stellen es
sicher.
Daniel Fürg:
[15:57] Zum Abschluss vielleicht noch mal kurz die Herausforderungen. Wo sehen Sie denn
in Unternehmen, die Sie so beobachten und mit denen Sie auch zusammenarbeiten,
momentan noch die größten Herausforderungen, im Kontext des BGM?
Martin Simmel:
[16:14] Im Kontext des BGM ist die Herausforderung, die zentrale Herausforderung, Zeit zu
investieren von Seiten der Geschäftsführung, damit diese Themen im Dialog mit den
Mitarbeitenden besprechbar werden. Also egal wie hochgetaktet der Arbeitsalltag ist, ich
investiere Zeit in die Fragestellung, was können wir tun, damit wir unsere
Arbeitsbedingungen alle gemeinsam, jeder in seiner Eigenverantwortung, aber wir als
Geschäftsführung, Führungskräfte, dass wir diese Arbeitsbedingungen positiv gestalten,
verbessern, immer wieder neu anpassen, gerade jetzt, wo dieser Wandel ja so präsent ist,
die Transformation in so vielen Branchen so präsent ist, die Menschen sich.
Martin Simmel:
[16:59] Zum Teil abgehängt fühlen. Also, Herr Simmel hat mal einer gefragt, diese
Beschleunigung, glauben Sie, hört das wieder auf? Sag ich, ehrlich, ich glaube, es wird noch
schneller. Ja, also das exponentielle Wachstum in allen Bereichen nimmt zu. Die Frage ist
doch, wie lernen wir damit umzugehen? Und das ist eine zentrale unternehmerische Frage.
Also nicht, wir ersetzen alles mit KI, es wird nicht so passieren, sondern wie lernen wir damit
umzugehen und wie? Belernen wir auch, und es wird jetzt spannend, glaube ich, mental
spannend, aushalten zu können, dass wir nicht mehr alles bewältigen, dass wir Dinge
weglassen müssen und uns fokussieren müssen auf das, was für uns zentrale Bedeutung
hat. Das ist eine Herausforderung, womit sich wahrscheinlich unser Gehirn, jetzt rein aus der
Perspektive, organisch betrachtet in Zukunft beschäftigen muss. Dinge weglassen oder
fokussieren auf das jetzt Wichtige und Bedeutsame. Gerade in so komplexen Arbeitswelten,
wie wir sie zunehmend erleben.
Daniel Fürg:
[18:03] Vielleicht hilft uns an der Stelle ja dann irgendwann auch die KI, dass wir Dinge, die
wir weglassen sollten, dann vielleicht an die künstliche Intelligenz delegieren können.
Martin Simmel:
[18:13] Ich sehe es als Bereicherung. Auch da die Frage, Sie als Psychologe müssen wir
Angst haben vor KI? Und ich nicht. Ich will lernen, wie es funktioniert. Ich will es bestmöglich
nutzen, sodass es mir dient. Und schön, wenn mir das jemand zeigt oder ich es selbst lerne,
ausprobieren kann. Ich meine, es wird von Menschen gemacht. Ich habe gestern mit einem
Geschäftsführer gesprochen, der sagt, das Kurilste, das er jetzt erlebt ist, dass die KI, die
von Programmierern gemacht wurde, Programmierer abschafft, wenn man das so sehen
will. Also das ist eine ganz interessante Perspektive, wird nicht so sein, weil die sich ja auch
weiterentwickeln, aber solche Phänomene werden wir erleben und damit müssen wir uns
auseinandersetzen, auch im privaten genauso wie im betrieblichen Kontext.
Daniel Fürg:
[19:01] Dann sind wir mal gespannt, was die Zukunft bringt. Ich danke Ihnen sehr für die Zeit
und die Einblicke.
Martin Simmel:
[19:06] Ja, sehr gerne. Danke Ihnen.
Neuer Kommentar